Ein Weihnachtsspaziergang – oder: der Tag, an dem Drohni vom Himmel fiel

Es ist der erste Weihnachtsfeiertag und endlich ist es soweit: der lang ersehnte erste Schnee ist gefallen (wenn man mal von ein paar Flocken Anfang Dezember absieht).

Wir (meine Mama und ich) zogen also unsere warme Winterkleidung sowie Wanderschuhe an, packten Drohne, Kamera und Hund ein und los ging es in den Bayerischen Wald.

Am Parkplatz angekommen erwarteten uns schon dichter Nebel, leichter Schneefall und eine nahezu schwarz-weiß wirkende Landschaft. Der Vorteil an dem eher tristen Wetter: außer uns waren nur sehr vereinzelt andere Wanderer unterwegs.

Wir stapften also durch den tief verschneiten Wald los in Richtung Gipfel.

Die üppigen Schneeverwehungen ließen so etwas wie einen Weg nur erahnen. Wie gut, dass wir nicht zum ersten Mal hier waren und die Route hinauf auf den Pröller bereits kannten.

Hier und da wurde natürlich ein kleiner Zwischenstopp eingelegt, um die verschneite Natur fotografisch einzufangen.

Nach nicht allzu langer Zeit erreichten wir dann auch das Gipfelkreuz, welches nur schemenhaft im Nebel zu erkennen war.

Außer uns waren dort nur zwei weitere Outdoor-Enthusiasten, die am Fuße des Gipfelkreuzes rasteten. Wir hielten uns aufgrund des ungemütlichen Windes nicht länger dort auf, sondern gingen den Rundweg weiter, der nun wieder leicht bergab führte.

Nun hatte ich ja heute extra meine Drohne mit eingepackt und so begann ich, nach geeigneten Flugplätzen Ausschau zu halten. Schon bald sollten wir an eine Lichtung gelangen, die etwas freie Sicht in alle Richtungen gewährte. HIER sollte es also sein, dachte ich mir, und holte Drohni (wie wir sie liebevoll nennen) aus meinem Rucksack.

Schnell etwas den Schnee plattgetrampelt, um eine ebene Fläche als Startplatz zu schaffen und schon konnte es losgehen. Ich steckte mein Handy in die Fernsteuerung, startete die zugehörige App und dann auch schon den kleinen Kopter. Wenige Sekunden später erhob sich Drohni in die Lüfte. Ich ließ sie zunächst etwas höher als die höchsten Baumwipfel steigen um schöne Luftaufnahmen des verschneiten Waldes zu machen. Auch ein kleines Video sollte dabei sein. Während all dieser Zeit flog Drohni immer durch dichten Nebel, was schon bald dazu führte, dass die Bildqualität aufgrund von beschlagener Kamera nachließ.

„Am besten ist es, ich lande mal kurz zwischen, reinige die Kamera und fliege dann weiter“, dachte ich. Als ich diesen Plan aber in die Tat umsetzen wollte, bemerkte ich, dass ich die Drohne nicht mehr weiter nach unten, also in Richtung Boden, navigieren konnte – im Gegenteil: sie stieg von selbst (ohne mein Zutun) weiter nach oben. „Ok, merkwürdig. Dann lassen wir sie einfach automatisch landen“, sagte ich zu meiner Mama, schon leicht beunruhigt. Doch auch die automatische Landung wurde mir versagt. Stattdessen erschienen unterschiedliche Fehlermeldungen in der App, mit der man die Drohne steuert. „Abwärts gerichteter Infrarotsensor. Bitte umgehend landen“ konnte ich dort lesen. Nun schon etwas panischer und feststellend, dass die Drohne zunehmend außer Kontrolle gerät, versuchte ich es mit dem Befehl „Zum Startpunkt zurückkehren“, einer Funktion, bei der die Drohne automatisch an den Startpunkt zurückfliegen und dort landen sollte, aber auch dieser Versuch blieb erfolglos.

Mittlerweile komplett ratlos und in echter Sorge um Drohni stand ich dort und blickte in den Himmel. Der kleine Kopter war inzwischen (von selbst) auf beträchtliche 65 m Höhe angestiegen und so kaum mehr im Nebel zu erkennen.

„Motorspannung. Propeller überprüfen“ konnte ich nun als Warnhinweis in der App lesen und wenige Sekunden später der Schock, das wovor sich jeder Drohnenpilot am meisten fürchtet: die Propeller stehen plötzlich still und Drohni stürzt ab.

„Sie stürzt ab!“ rufe ich noch und meine Mama konnte dem leider auch nichts weiter entgegnen außer „Ja, sie stürzt wirklich ab!“ Wie einen Stein sah ich mein geliebtes Fluggerät aus 65 m Höhe in Richtung Boden fallen. Wenige Augenblicke später ist der dumpfe Aufprall unweit unserer Position inmitten von Bäumen und Schnee zu hören.

Als ich noch, wie eine vor Schock zu Eis gewordene Skulptur, am Wegesrand stand, drückte mir meine Mama geistesgegenwärtig die Hundeleine in die Hand, mit den Worten: „Pass du auf den Hund auf, ich gehe sie suchen!“ und schon verschwand sie im Dickicht. Zwei Wanderer, die des Weges kamen und den Absturz wohl beobachtet haben, eilten herbei und halfen bei der Suche.

Einige Minuten, die mir wie Stunden vorkamen, vergingen, in denen der Suchtrupp das Unterholz durchforstete, während ich auf unseren Hund aufpasste. Mit jeder Sekunde, die ich dort wartend verbrachte, kam ich mir nutzloser vor, glaubte ich doch, mir den Ort des Absturzes einigermaßen genau gemerkt zu haben. Irgendwann hielt ich dieses tatenlose Herumstehen nicht länger aus und so machten meine Mama und ich Schichtwechsel – sie blieb bei unserem Hund, während ich genau dort zwischen die Bäume in den tiefen Schnee stapfte, wo ich den Absturzort vermutete. Und siehe da, mein Orientierungssinn und meine Erinnerung schienen mich nicht getäuscht zu haben, denn schon nach kürzester Zeit sah ich sie: Drohni, wie sie da am Rücken inmitten von Blaubeergestrüpp lag, teilweise von Schnee bedeckt, aber immer noch mit leuchtenden LEDs. Behutsam befreite ich sie aus ihrer misslichen Lage, rief laut „Ich hab sie!“ und trocknete sie dann so gut es ging ab. Alle Propeller waren noch dran, äußerlich sah sie nahezu unversehrt aus. Lediglich ein paar kleine Eisschichten waren auf den Propellern zu erkennen.

Während der schlimmen Sekunden des Absturzes war ich mir eigentlich sicher: Das kann sie nicht überleben. Doch als ich sie dann wieder gefunden und rundum begutachtet hatte, war ich erstaunt, in welch gutem Zustand sie doch, zumindest äußerlich, noch zu sein schien. Wir setzten also unsere Wanderung fort, wobei ich immer wieder die Bilder des Absturzes vor meinem inneren Auge hatte und mich nicht mehr wirklich auf die Winterfotografie konzentrieren konnte.

Wieder zu Hause angekommen, packten wir Drohni nochmal aus, entfalteten alle Propeller und ließen sie im Warmen gut trocknen, sollte vielleicht doch noch irgendwo Feuchtigkeit eingedrungen sein.

Das Beste und zugleich Erstaunlichste vorweg: Drohni hat überlebt! Nicht nur äußerlich war sie unversehrt geblieben, nein, wie durch ein Wunder, schienen auch Akku und Motor keinerlei Schäden davongetragen zu haben, wie sich am nächsten Morgen bei einem Testflug (natürlich erstmal nur sehr vorsichtig und in sehr niedriger Höhe) herausstellte.

Doch wie kann das sein? Ist sie doch aus stolzen 65 m nahezu ungebremst auf die Erde gefallen. Ich denke, es war das Blaubeergestrüpp, das ihr das Leben rettete. Es wuchs dort in niedriger Höhe sehr flächendeckend und muss wohl wie eine Art Kissen fungiert und den Aufprall somit deutlich abgefedert haben. Nicht auszumalen was passiert wäre, wenn sie in einem der Bäume hängen geblieben oder gar auf einem Stein oder Ähnlichem gelandet wäre.

Ich glaube, ich kann von riesigem Glück im Unglück sprechen, dass dieser Unfall nochmal gut ausgegangen ist.

Zu guter Letzt gilt es natürlich noch die Frage aller Fragen zu beantworten: Wie konnte es zum Absturz kommen?

Für die Antwort habe ich einige Tage Zeit und Recherche benötigt, aber mittlerweile dürfte der Fall weitestgehend geklärt sein. Und wie so oft, steckt wohl auch hier menschliches Versagen dahinter. Denn hätte ich auch nur einmal vorab recherchiert und mich zum Thema „Drohnenflug im Winter“ informiert, so hätte ich sie niemals bei diesen Witterungsbedingungen gestartet. Das Problem ist nicht der Winter an sich, aber die Kombination aus hoher Luftfeuchtigkeit, also in unserem Fall dem Nebel, und den kalten Temperaturen kann für Drohnen tödlich sein. Die Wassertröpfchen des Nebels lagern sich überall auf der Drohne ab und somit auch auf den Propellern. Die kalte Luft führt dazu, dass diese Tröpfchen sofort zu Eis werden (deswegen auch die Eisplatten auf den Propellern, als ich sie fand). Das wiederum führt zu einem erhöhten Luftwiderstand. Der Motor muss also immer mehr leisten, um die Propeller weiterhin antreiben zu können. Dazu passt auch die angezeigte Fehlermeldung „Motorspannung. Propeller überprüfen!“. Im schlimmsten Fall kann dies dann zur einer Überlastung der Motoren und, wie in meinem Fall, zum Absturz führen.

Also alles nochmal gut gegangen, aber in Zukunft werde ich deutlich vorsichtiger sein.

Fall ihr selbst eine Drohne habt, kann ich euch eines mit auf den Flug geben: Recherchiert lieber einmal zu viel vorab und startet nur bei guten Witterungsverhältnissen. Auch die Kälte an sich kann schon zu Probleme führen, wie z.B. zu kalte Akkus etc.

Also informiert euch immer gut im Vorhinein, denn so viel Glück wie ich in diesem Fall, hat wohl nicht jeder!

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