Der letzte Tag in „Freiheit“

Wenn der Frühlingsanfang und der Beginn der Ausgangsbeschränkung auf denselben Tag fallen, weiß man nicht, ob man sich freuen oder weinen soll. Gerade jetzt, wo die schönste Zeit des Jahres beginnt, wird unsere Freiheit zunehmend eingeschränkt. Eine Freiheit, die für uns so selbstverständlich geworden ist, dass diese Umstellung eine echte Herausforderung darstellen wird.

Noch stehen wir am Anfang dieser Zeit und jeder ist motiviert, endlich mal die Wohnung gründlich zu putzen, ein gutes Buch zu lesen, das man schon lange einmal lesen wollte oder sonstige Dinge zu tun, für die einem sonst im Alltag oft die Zeit fehlt. Doch ich bin mir nicht so ganz sicher, ob wir die Reichweite der aktuellen Situation wirklich schon abschätzen können und es steht in den Sternen, wann die Normalität zurückkehren wird. Natürlich denkt man jetzt im ersten Augenblick, ach es gibt Schlimmeres als mal eine Weile zu Hause zu bleiben, aber ich glaube schon relativ bald wird den ein oder anderen diese ungewohnte Situation durchaus belasten und es wird spannend, Wege zu finden, damit möglichst gut umzugehen. Erst in solchen Zeiten wird einem bewusst, was für ein Luxus diese Freiheit, hinzugehen wo man möchte und tun zu können was man möchte, eigentlich ist. Welche Berufe wirklich wichtig sind in einer Gesellschaft, auch das zeigt sich jetzt sehr deutlich. Es wäre schön, wenn man diese Erkenntnisse mitnimmt und danach, wenn alles wieder „normal“ ist, nicht gleich wieder vergisst.

Den letzten Abend in „Freiheit“ habe ich mit einer meiner besten Freundinnen und Island-Reisebegleiterinnen verbracht.

Nachdem wir gehört haben, dass ausgerechnet in unserer ersten Island-Nacht die schönsten Nordlichter über der Insel beobachtet werden konnten, waren wir umso trauriger, dass wir nicht dabei sein konnten. Immerhin waren die Nordlichter einer unserer Hauptreisegründe. Doch was hilft die ganze Traurigkeit, es ist ja ohnehin nicht zu ändern und so entschlossen wir uns kurzerhand dazu, die Nordlichter einfach in mein Wohnzimmer zu holen. Ganz nach dem Motto: „Wenn wir schon nicht zu den Nordlichtern können, kommen sie eben zu uns!“

Ja ok, die Winterausrüstung wäre vielleicht nicht unbedingt nötig gewesen, aber hey, jeder verarbeitet seine Trauer auf andere Art und Weise 😉

Danke für den schönen Abend!

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